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Herzklappe, das Gespräch

Wie schon berichtet, hatte mir die Handelsvertreterin einen zweistündigen Termin zugesagt, um meine Fragen zu den künstlichen Herzklappen zu beantworten. Allein dass Sie sich die Zeit nehmen wollte hat mich sehr gefreut.

Ich fuhr also von der Arbeit aus zur nächsten Herzklinik, wo wir uns treffen wollten. Ich war viel zu früh, aber erkannte sie schon. (Dank an die sozialen Netzwerke.) Da sie noch telefonierte, wartete ich ab. Sie legte pünktlich auf, wir begrüßten uns und sie ging kurz zum Auto ihre Materialien holen..

In der Cafeteria ließ sie mich erstmal alleine, um Getränke zu holen und ich saß da ziemlich aufgeregt und neugierig vor dieser Kiste. Aber dazu später mehr.

Sehr früh hatte ich mich bereit erklärt auch über mich und mein Erleben zu erzählen. Aber zuerst erzählte Sie etwas über ihren Werdegang, dann zeigte Sie mir in Broschüren, die verschiedenen Generationen von Herzklappen und wie diese sich weiterentwickelt haben.

Es ging auch um Schweine- und Rinderklappen und dass die Nutzung dieser Klappen auch immer etwas den Erfahrungswerten der Operateure unterliegen würden. Wenn ich den Begriff “Modezyklus” nutzen würde, wäre das unpassend. Nach einer langen Zeit, in der Bioklappen bevorzugt wurden, sind jetzt wieder die mechanischen Klappen mehr gefragt.

Und es ist faszinierend was alles erforscht wurde: Die Löcher für die Klappenscharniere haben einen spezielle Form, damit die immer wieder freigespült werden. Die Klappen öffnen sich weniger als 90°, weil das für den Durchfluss optimaler ist. Ich durfte live sehen, wie in den Generationen die Aussenränder fürs Nähen verkleinert wurden, damit innen mehr Platz für den Durchfluss ist.

Diese Größe ist auch bei mir eingebaut

Wegen der besseren Sichtbarkeit fallen die Flügel hier nach unten. Eingebaut öffnen sie sich nach oben. Spannend fand ich auch, dass es sich bei dem Ring eigentlich um zwei ineinander liegende Ringe handelt. Wenn der Operateuer feststellt, dass die Flügel nicht korrekt öffnen, dann kann er den inneren Ring um wenige mm drehen und meist reicht das, damit die Flügel dann freies Spiel haben.

In der Kiste vom ersten Bild sind übrigens die Werkzeuge drin mit denen der Chirurg ausmessen kann, welche Klappengröße er benötigt. Nicht gesehen habe ich die Werkzeuge, die den den Herzklappen beiliegen, damit man sie steril aus der Verpackung in den Körper bekommt, ohne dass sie angefasst werden.

Dass es all diese Dinge gibt, heißt im Umkehrschluss für mich, dass sich herausstellte, dass die Überlebenschancen der Patienten dadurch wesentlich besser oder einfacher zu sichern waren. Ich verdanke mein Leben also vielen vielen Misserfolgen. Und ich bin beeindruckt, was wir an Forschung auf uns nehmen um Leben zu retten. Und ich kann es nicht oft genug sagen, wie dankbar ich für eine Gesellschaft bin, die mir diesen Eingriff ohne Diskussion bezahlt.

Da die Ärzte und ich mich in der ersten Operation für eine Bioklappe entscheiden, bin ich sogar doppelt dankbar.

Zum Ende hin, durfte ich mir auch noch die biologischen Klappen anschauen. Faszinierend, wie am oberen Flügel meinen Finger fast durchscheinen sieht.

Original Klappe vom Schwein

Zum Ende hin erzählten wir noch ein wenig privat und sie versprach mir noch einen USB Stick mit weiterem Info Material. Am Ende des Gespräches dröhnte mir ganz schön der Kopf vor lauter Eindrücken und Informationen. (Ich verstehe jetzt, warum der Chirurg vor meiner zweiten OP so gar nicht glücklich aussah…)

Einige Tage später kam dann der USB Stick in einem großen Päckchen mit allerlei anderen Dingen. Besonders spannend fand ich ein Video über die Geschichte der Entwicklung… Leider habe ich das Video nicht online gefunden, sonst könnte ich es verlinken.

Für mich als Patienten hat sich das Gespräch wirklich gelohnt, und auch wenn ich keine Klappe mit nachhause nehmen durfte, die Fülle der Informationen und dass mir dieser Termin geschenkt wurde, wiegt das mehr als auf.

Zuletzt habe ich noch ein Video von dem Klickgeräusch gemacht. Die Frequenz ist hier natürlich wesentlich höher als mein Puls. Und in meinem Köper klingt es auch ganz anders. Dazu gibt es diverse Videos im Netz

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